Notfallseelsorge

Menschen in schwierigen Situationen beistehen

Für die Menschen, zu denen sie gerufen werden, ist gerade die Welt in Stücke gebrochen. Notfallseelsorger überbringen erschütternde Nachrichten, so zum Beispiel vom Tod eines Angehörigen. Doch sie sind es auch, die Halt geben, wenn die Hinterbliebenen ihre schlimmsten Stunden durchleben. Franz-Josef Neyer, pensionierter Pfarrer aus Oelde, ist wie auch Diakon Rainer Averbeck aus Lette Notfallseelsorger. Wenn er zu einem Einsatz fährt, hat er noch immer ein mulmiges Gefühl – und starkes Herzklopfen an der Türklingel. „Die Leute ahnen bereits das Schlimmste, wenn wir mit der Polizei vor der Tür stehen“, erklärt er.

Worte finden für das Unbeschreibliche. Trost spenden, wo dies unmöglich zu sein scheint: Bei vielen Einsätzen stoßen die Notfallseelsorger an ihre Grenzen. „Besonders, wenn Kinder in der Familie sind, ist mir sehr flau im Magen“, sagt Franz-Josef Neyer. „Wenn ich zu einem Einsatz gerufen werde, erfahre ich selbst zunächst nur wenig darüber, was passiert ist“, betont er. „Deshalb können wir den Menschen oft nicht viel darüber sagen. Wir können nur für sie da sein.“ Manchmal sei es das Einzige, das sie tun könnten – aber auch das Wichtigste. „Die Hinterbliebenen wissen oft nicht, wo ihnen der Kopf steht. Wir schauen, was sie brauchen oder wen wir für sie anrufen können. Wir spenden Trost durch unsere Nähe.“

In vielen Situationen gebe es oft gar nichts, was die Seelsorger sagen könnten. „Wenn mein Gegenüber schweigt, schweigen wir gemeinsam“, sagt Friedrich Vogelpohl aus Beckum. „Es kann viel Zeit vergehen, bis der Hinterbliebene sprechen will. Aber das müssen wir aushalten.“

Die Seelsorger sind auch für Polizisten und Feuerwehrleute da und helfen ihnen, die oft sehr belastenden Eindrücke der Einsätze zu verarbeiten.